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Seeed is back! Mitten in den Aufnahmen für ihr zweites Studioalbum, erwischte Peanut Vendor Mastermind Pierre Baigorry aka Enuff, um einen exclusiven Einblick in das Project "Seeed 2003" zu erhalten.


Enuff & Eased in den Strassen von Kingston/JA

Germaican Observer: Als wir uns das letzte Mal im Sommer 2001 auf der Tour zum "New Dubby Conquerors"-Album unterhielten, warst Du gedanklich auch schon bei der nächsten Platte, die jetzt unmittelbar vor der Fertigstellung steht. Damals sagtest Du, Du wärst teilweise schon wieder unzufrieden mit dem Sound, würdest einige Dinge bereits anders machen wollen. Bist Du in dieser Hinsicht ein hoffnungsloser Perfektionist und damit ein ewig Getriebener oder sind Deine bzw. Eure musikalischen Vorstellungen auf dem neuen Album inzwischen besser umgesetzt?
Seeed: Beides. Einerseits bin ich von Natur aus Perfektionist und Nörgler was Musik und auch andere Dinge angeht - besonders bei meinen/unseren eigenen Sachen. Ein paar Stunden nachdem irgendein Mix fertig geworden, oder ein Konzert gespielt ist, fallen mir Sachen auf, die ich ändern will. Bei einer Tour is das cool, man kann beim nächsten Gig schon was Neues einbauen, umstellen bzw. die Erfahrungen, die man am Abend vorher gesammelt hat, schnell umsetzen. Bei der Arbeit an einem Album geht das nur bedingt, irgendwann muß es ja auch mal fertig sein und man kann allein schon aus Kostengründen nicht jeden Song 10mal neu mixen... Andererseits haben wir auf jeden fall sehr Vieles bei der Arbeit am letzten Album gelernt und im Moment finde ich schon, daß die neuen Songs einen Schritt weiter gehen - soundmäßig und auch stylemäßig. Ich wollte unbedingt, daß diesesmal kein Song auf die Platte kommt, den man nicht 100% cool findet, oder den ich, wenn ich die CD jemandem mitgeben müßte, am liebsten vorher runterlöschen würde. Sowas gibt es diesmal nicht, was nicht heißen soll, das mir irgendein Song vom letzten Album wirklich peinlich wäre, aber es sind ein paar dabei, denen würde ich selber nur Mittelmäßigkeit oder latente Belanglosigkeit bescheinigen.


Ce'cile, Scatta & Eased - Kings Of Kings Studio (Kingston/JA)

G.O.: Wie fällt euer Fazit für 2002 aus - seid ihr zufrieden? Was soll 2003 besser werden?
S.: 2002 haben wir ja nich' so irre viel zusammen gemacht, nachdem ich Ende 2001 ziemlich krank wurde. Ich war 3 Monate in Asien, danach haben wir ein paar Festivals gespielt- was sehr cool war - und haben neue Stücke geschrieben.

G.O.: Worin unterscheidet sich Seeed 2003 von Seeed 2001? Sind auf dem neuen Album mehr Dancehall-Stücke als auf der ersten Platte? Habt ihr inzwischen noch spezifischer einen eigenen Stil gefunden, wie es Dir bereits vor knapp 2 Jahren vorschwebte? Wenn ja, wie würdest Du ihn beschreiben?
S.: Es gibt ein bißchen mehr auf die Fresse - die Songs sind mehr Dancehall, der Anteil der programmierten Beats ist gegenüber der letzten Platte gestiegen. Während Andere mehr (oder ausschließlich) in Richtung Roots gehen - siehe Gentleman oder Silly Walks - gehen wir eher in die andere Richtung, wobei das schon während der Arbeit am letzten Album klar war. Dort haben wir noch Stücke aufgenommen, die schon damals 2 Jahre auf dem Buckel hatten und aus unserer Anfangszeit stammten, in der wir - ich würde mal sagen - nach unserem Style gesucht haben. Den haben wir inzwischen gefunden bzw. es wurden auch innerhalb der Band Skeptiker überzeugt, die Anfangs mit dem Digital-Reggae so ihre Probleme hatten. Nach wie vor sind aber Tunes dabei, die auf live-eingespielten Tracks basieren. Und Harmony-Gesang ist natürlich auch immer noch angesagt - wir sind eben drei Sänger und das bringt einfach Bock; aber insgesamt ist es schon ein bißchen härter, oder besser gesagt KONSEQUENTER geworden!
Ansonsten waren wir diesmal unter anderem auch in Kingston produzieren, bzw Features mit jamaicanischen Artists aufnehmen - vor allem für unsere nächste 7" selection, aber auch auf "Doctors Darling" wird gerade wieder gevoict. Der Riddim (von "Waterpumpee") ist zwar schon ein Jahr alt, erfährt aber unter anderem in den USA gerade einen ungeahnten Popularitätsschub! Was diese Dinge angeht arbeiten wir sehr gut mit Pionear von Germaican Records, unserem 7"-Label zusammen.


Chico & Eased - Mainstreet (Kingston/JA)

G.O.: Wie konstant ist Eure Besetzung, wie stark hängt der Erfolg einer Band auch davon ab? Haben Einzelne von Euch noch Zeit und Lust für andere musikalische Projekte?
S.: Die Besetzung hat sich nicht verändert. Der Vibe zwischen uns 11 stimmt nach wie vor. Manche sind natürlich, was die Produktion angeht, nicht so involviert wie Andere und deshalb haben einige auch die Zeit sich mit anderen Projekten auszutoben. Demba z.B. macht Solosachen, die sich "Boundzound" nennen, Rübi spielt mit 2 alten Kumpels nachwievor harten Rock und Based und Illvibe haben ja noch Lychee Lassi, was ne "Turntable-Instr. HipHop-Dub-Funk"-LiveKiste ist.
Reibold hat zwischendurch ein bißchen Film/TheaterMusik gemacht, die Horns blasen auch dann, wenn Seeed nicht spielt und Alfi ist immer noch mit seinem Club "ReggaeStation" in Berlin am Start.


Enuff & Red Rat - Mainstreet (Kingston/JA)

G.O.: Wie ist die Aufgabenverteilung bei der Produktion der neuen Platte, bzw. wie sehr sind einzelne Mitglieder von Seeed am Entstehen der Stücke beteiligt und bringen ihre Ideen mit ein? Wird um einzelne Details auch mal heftig diskutiert oder läuft am Ende sowieso vieles in Deinen Händen zusammen?
S.: Am Ende läuft zwar alles in meinen Händen zusammen, aber natürlich wird trotzdem heftig diskutiert, besonders zwischen uns Sängern, was Texte und Aussprache oder die Reihenfolge von Strophen und sowas angeht... Bei diesem Album machen Frank und Demba jeweils einen Track, wo Sie mal sagen wo´s langgehen soll. Außerdem ist besonders Vincent (Illvibe) mit "Beats schrauben" involviert - z.b. der Beat für Dembas Stück ist von ihm. Auch Based und Rübi haben inzwischen Computer und helfen mit, wenn es z.B. ums Cutten der BandLiveTracks geht. Ganz wichtig ist Chief Olsen, der eigentlich zusammen mit mir die meiste Zeit von allen im Studio arbeitet - er ist unser AllTime Live-, Recording- und Mixing-Engineer! Ohne den geht gar nichts...


Eased, Enuff & Tanya Stephens at Pot Of Gold (Kingston/JA)

G.O.: Spürt ihr inzwischen einen größeren Erfolgsdruck, weil einfach alle sehr hohe Qualitätserwartungen an euch haben? Siehst Du eine Gefahr, von Publikum und Medien auf bestimmte Stereotype reduziert zu werden, die ihr einerseits auch bedienen müßt, um anhaltend Erfolg zu haben, die aber andererseits auch dazu führen könnten, daß ihr irgendwann mit genau dem Stil dann nicht mehr angesagt seid, weil ihr das ja dann schon eine ganze Weile gemacht habt und das Business wieder einen neuen Trend für hip erklären muß?
S.: Natürlich erwartet beispielsweise die Plattenfirma, daß wir nicht weniger, sondern mehr Platten verkaufen als das letzte mal. Aber erstens ist das ihr Job und zweitens haben wir ja auch nichts dagegen, viele Platten zu verkaufen, solange die Musik, die wir machen, UNSERE Musik ist! Also Druck machen wir uns schon selber genug, das Album soll der ÜBER-SHIT werden und nicht irgendein WurstShit.


Ear & Enuff - Recordingsessions auf Rügen

G.O.: Wie sehr experimentiert ihr mit anderen musikalischen Einflüssen?
S.: Wir experimentieren immer mit Allem! Puristen sind nich' angesagt, Puristen sind Bremser und Stehenbleiber!
Im Reggae wurden ja schon vor über 10 Jahren z.B. Tablas und Bhangra-Elemente benutzt, wie sie jetzt gerade voll angesagt sind - was ich gut finde, weil das ‚ne geile Farbe ist. Manchmal sind ja auch so Elemente angesagt, die ich schrecklich finde - z.B. dieser 80ties-Kack! In der Vergangenhait haben wir von einigen gehört, daß sie das komisch finden, daß Seeed so DJ-Sounds und Scratches in der Musik hat und das wär doch "voll UnReggaemäßig"...... aufs Maul !!

G.O.: Zum neuen Album wird es eine Tour geben - mit wesentlich mehr Auftritten im Ausland?
S.: So siehts aus!


Olsen Involtini - Recordingsessions auf Rügen

G.O.: Gehen Eure Planungen schon über die anstehende Tour hinaus, die euch - wenn das Album so gut läuft wie erhofft - ja bis zum Ende des Jahres reichlich beschäftigen wird?
S.: Nee, das weiß ja jetzt noch keiner, wie sich das hinzieht. Wir hoffen ja nicht nur außerhalb von D, Öst. und CH Konzerte zu spielen, sondern auch das Album z.B. in Frankreich oder England zu veröffentlichen. Dann kann die Promo und die Tour natürlich lange dauern...

G.O.: Wie groß ist die Ungeduld, wieder auf Tour zu gehen? Wird Seeed auch in 2 Jahren so oder so ähnlich wie heute am Start sein?
S.: LiveSpielen ist immer das Geilste! Natürlich sind wir ungeduldig, aber eher daß das Album fertig wird, damit wir mit den Proben für die Konzerte anfangen und wieder richtig zu elft arbeiten können, was viel mehr fetzt, als sich die Nächte zu zweit oder allein im Studio um die Ohren zu schlagen! Obs uns in 2 Jahren noch gibt ? Wer weiß das schon, aber es spricht einiges dafür !!

Peanut Vendor/ G.O. Leipzig

The Germaican Observer No. 14: Seeed Interview Juli/August 2001
www.seeed.de


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Inhalt:
G.O. HOME
INTERVIEW
Seeed
RUNDOWN & PICTURE BOOK
War Inna Di City - The Reggae / Dancehall Clash
RIDDIM REPORT
Shanty Town

TAPE OF THE MONTH

Small Axe
"Reggae & Dancehall Bombs 2K2"


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