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Germaican Observer: Das letzte mal als ich Dich gesehen habe, das letzte mal, vor dem letzten mal, um genau zu sein, hattest Du Dreadlocks. Jetzt hast Du keine mehr, was ist passiert?
Tanya Stephens: Ich habe meine Frisur geändert.

G.O.: Bist Du eines morgens aufgestanden und hast Dich entschieden…?
T.S.: Ich bin kein Rastafarian geworden. Ich habe einfach nur Dreadlocks getragen und dann die Frisur geändert. Manche Leute machen das ein mal wöchentlich, gehen zum Friseur, bekommen einen neuen Style. Ich hatte Dreadlocks, dann nicht mehr.

G.O.: Als Du nach Jamaica zurück gegangen bist, nachdem Du so lange fort warst, wie war die Response der Leute?
T.S.: Nun, ich war überwältigt von der Response, weil die sich Menschen so gefreut haben, mich zu sehen. Ich hatte keine Ahnung, das ich so beliebt war.. Generell war es so: es gibt keine Frauen, und die Frauen machen nix, wenn sie etwas machen, dann ist es nicht erwähnenswert, also: "schön Dich wieder hier zu haben, Du zeigst es den Männern und Du bestehst gegen die besten von ihnen, willkommen zurück".

G.O.: Kam Dir die Dancehallszene anders vor, nachdem Du mehr als zwei Jahre fort warst?
T.S.: Überraschenderweise schien es mir, als wäre ich nicht mal für einen Tag weg gewesen, es hätte anders sein sollen, war es aber nicht… Es war als ob ich in einem Zeitsprung war, immer und immer wieder, das selbe alte Lied.

G.O.: Wenn Du sagst, das es hätte anders sein sollen, welche Veränderungen hattest Du erwartet?
T.S.: Ich erwartete, das wir Fortschritte machen würden, hatten wir aber nicht, überhaupt n icht. Es war genauso bekloppt wie immer, ich bekomme einen Riddim, nehme mir 5 Minuten Zeit und schmeisse was d'rauf . Es sind die selben beknackten Lyrics, das selbe bun batty man und das selbe bun bow cat… genau die gleichen Sachen werden immer und immer wieder recycled, deswegen kam es mir auch so vor, als ob ich nie fort gewesen wäre und ich konnte mich wieder in den Trott einreihen.

G.O.: Nachedem Du all das gesehen hast und gleichfalls das, was mit Sean Paul und Wayne Wonder auf internationalem Parkett passierte, was denkst Du darüber?
T.S.: Das lustige ist, das ich Sean Pauls oder Wayne Wonders Erfolg nich dazu benutzen würde um zu beschreiben was Dancehall insgesamt erreichen kann, weil Dancehall Sean Paul nie willkommen geheissen hat, speziell in Jamaica. Jetzt sagt jeder: "Sean Paul, Sean Paul", aber vorher hatte er überhaupt keinen Support. Also war er jemand, auf den niemand auch nur einen Pfifferling gesetzt hätte. Somit ist es nicht charakteristisch für das, was Jamaica erreichen kann, weil Jamaica es nicht erreicht hat. Der Rest der Welt hat einen von uns akzeptiert. Alle anderen haben ihn zuerst geliebt, die typischen Jamaican Industrieleute aber dachten, das er zu uptown wäre und kein richtiger DeeJay.

G.O.: Da wir gerade dabei sind, als Beenie Man seinen Grammy gewann, beschäftigte sich Bounty Killer mit ihm, jetzt, da Sean Paul on top ist wendet er sich Sean Paul zu und macht das gleiche. Auch Shaggy war in Bountys Fadenkreuz…
T.S.: Das ist typisch für Jamaican Artistes. Ich denke was mit Sean und Wayne passiert ist extrem amüsant… weil eine Menge Leute die dachten, das sie nicht mal das schwarze unter'm Fingernagel wert seien, ihnen jetzt auf den Puller gehen. Ich finde das einfach nur amüsant. Das grösste Problem mit Jamaica ist, das wir immer wieder alte Gäule satteln. Leute die immer wieder das gleiche machen…, wir feiern sie als die Grössten, die Talentiertesten und stellen sie nach ganz vorn…. Am Ende des Tages zählt nicht, was ich von ihnen denke, wenn sie raus gehen vor die Leute, ist es das was die Leute wollen, und meist wollen die Leute etwas Gutes.
In unserer Industrie gibt es zwei Typen von Menschen, einen den die Leute lieben wollen und den anderen, der arbeitet und sich die Liebe der Leute "verdient". Was die Industrie möchte, ist nicht zwangsläufig jemanden der talentiert ist. Das beste was sie jemals für Sean Paul taten war, ihn nicht zu schätzen. Er ist ein Guter, immer noch bescheiden und er zeigt ihnen, das er Millionen verkaufen kann, ohne hype zu sein, ohne zu sein wie sie. Und er ist haupsächlich eins, das sie nicht sind, talentiert, und das ist das einzige was zählt.

G.O.: Du und Ce'cile waren gute Freundinnen, diese Freundschaft ist nun vorbei, was ist passiert?
S.: Nicht jeder hat die Gabe sich von Armut zu regelmässigen Mahlzeiten hin umzustellen und damit klar zu kommen, nicht jeder hat die Kapazität das zu tun.
Das beste der Persönlichkeit mancher Leute kommt raus, wenn sie hungrig sind, sobald sie satt sind, werden sie komplett bescheuert
Mir fällt beim besten Willen nichts ein, was Tanya Stephens heute anders macht, als vor ein paar Jahren., aber ich werde immer jemand sein, der upcoming Leute unterstützt, bei denen ich sehe, das sie Hilfe brauchen. Ich werde immer Texte für Leute schreiben, die weniger glücklich waren und nicht so gut schreiben können, weil ich gesegnet wurde und es kann… das meine ich nicht kokett, es ist ein Fakt. Ich mache das und sehe keinen Grund, warum sich das ändern sollte.

G.O.: Was ist mit dem Album passiert, das von Warner Sweden released werden sollte?
T.S.: Es wurde in Schweden veröffentlicht und als wir kreativ auseinander fielen, so etwa vor gut einem Jahr habe ich die Leute wahrscheinlich in den Wahsinn getrieben. Es war aber eine Lernerfahrung von der ich profitiere … vielleicht nicht finanziell, weil ich nichts durch sie verdient habe, was ich nicht schon durch Dancehall verdient hatte (was sie vermutlich niemals verstehen werden…), aber ich habe gelernt meinen Beruf besser zu meistern, in Bezug auf die Menschen mit denen ich arbeite, den Menschen die die eigentliche Arbeit machen, nicht die Record Company Leute, die denken das sie wichtiger seien als sie es wirklich sind… Nein, die eigentlichen Musiker und Produzenten, ich erhielt den Reichtum des Wissens von ihnen. Ich denke nicht, jemals eine gehypte Person gewesen zu sein, aber ich habe viel mehr Bescheidenheit von ihnen gelernt, weil sie Menschen sind, die gut in dem sind, was sie tun. Ungleich einigen von uns Jamaicans, die wenn sie gelernt haben ein "C" zu spielen, oder wissen was "a-moll" ist, denken nichts anderes mehr lernen zu müssen. Ich habe mit Leuten gearbeitet, die Musik in- und auswendig kennen, die gut sind, kreativ. Es war eine sehr angenehme Arbeitsatmosphäre.
Wenn ich jetzt zurück schaue und etwas verändern könnte, ich würde es nicht tun.

G.O.: Hier in Deutschland, bist Du wahrscheinlich der am meisten aufgenommene Artiste aus Jamaica. Mit wem hat es Spass gemacht?
T.S.: Oh Gott, darüber muss ich nicht lange nachdenken, denn mit allen hat es Spass gemacht. Im Unterschied zur Jamaican Attitude, weisst Du ja selbst, dass die Deutschen eine freundlichere Art haben, also gibt es kaum Probleme mit Persönlichkeitsbefindlichkeiten… So geht es nur um die Arbeit, und nicht darum, wer der Star der Session ist. Ich hatte wirklich nur gute Arbeitserfahrungen und muss nicht heuchlerisch sein, um zu sagen, das alles gut war.

G.O.: Wenn Du Songs wie 'Goggle' und 'It's a Pity' schreibst, sind das Sachen die Du erlebt hast, oder schreibst Du über Dinge, die Du um Dich herum beobachtest? Die Wahrheit bitte!
T.S.: Um Dir die Wahrheit zu sagen, einige habe ich selbst gelebt, andere wurden von Menschen um mich herum gelebt, aber ich werde nicht verraten welche. Ich rede über nichts worüber ich nicht Bescheid weis, aber ich werde nicht sagen, welche Songs meiner persönlichen Erfahrunmg entspringen.

G.O.: "It's a Pity", der Song der von Pionear auf Seeeds "Doctor's Darling" Riddim produziert wurde, hat nur gute Response bekommen, No.1 in Trinidad & Tobago und in Atlanta, jetzt Airplay in N.Y. Wie sieht es in Jamaica aus und wie denkst Du über den Song?
T.S.: In der Karibik (ausserhalb von Jamaica) sind die Leute sehr viel objektiver, nicht weil ein Tanya Stephens Song dort schneller ein Hit wird, sondern weil ich gemerkt habe, das sie wirklich dem Text und der Komposition zuhören… nicht wie in Jamaica, das nur mit "Name Artistes" arbeitet, selbst wenn diese Artistes nicht mehr als 5 Platten verkaufen können.
Ich bin sehr dankbar für das Feedback auf diesen Song, nicht weil ich jetzt einen Hitsong mehr habe, sonder wegen des Inhalts und der Zeit, die in das Konzept und die Aufnahme gesteckt wurden… Es ist wirklich sehr schön etwas gutes zu machen und danach zu sehen, das es gemocht wird, anstatt irgend etwas auf einen Riddim zu schmeissen und danach alle sagen zu hören "yeah, a big tune dat".
Es fängt erst jetzt gerade in Jamaica an, ich hatte es unzähligen Leuten gegeben, aber vielleicht wegen des Labelnamens oder des Riddims…
Du weisst, hier unten ist alles so politisch, es nicht mal mehr musikalisch, und Du weisst die Leute auf der Strasse sind 'ne ganz andere Baustelle, wenn sie es hören, können sie beurteilen, ob es ein guter Song ist, aber sie hatten nie die Chance es zu hören. Jetzt hingegen, wo sie diese Chance haben, ist das Feedback so, das jeder der es hört, sich an den Song erinnern kann, darüber bin ich glücklich. Jede(r) der es gehört hat sagt mir, das sie/er es liebt…
Das Resultat eines Songs variiert von Produzent zu Produzent, und er (Pionear) hat mich gestresst diese eine Stelle 40 mal zu machen, Gott segne sein Herz.

G.O.: "It's a Pity" ist einer der Song auf "Reggae Gold 2003" von VP. Ist es das erste mal, das Du auf dieser Compilation dabei bist?
T.S.: Um ehrlich mit Dir zu sein, ich denke "Reggae Gold" ist nicht anders als andere VP Compilations. Für mich ist das alles was sie machen, Compilations raus bringen….Ich war auf so vielen ihrer Compilations, und weiss nicht mal deren Namen. Es ist immer das selbe für mich, bisher habe ich noch keine einzige Abrechnung gesehen.

G.O.: Stimmt es, das Du bei VP gesignt bist und gerade an einem Album gearbeitet wird?
T.S.: Ich bin nicht bei VP gesignt, das würde ich niemals tun… Ich würde ein Album bei ihnen lizensieren, das ist aber noch nicht geschehen. VP sind keine Record Company, sie sind ein Vertrieb, also würde ich ein Album an sie lizensieren, damit sie es vertreiben können.
Ich habe ein Album, das bald veröffentlicht wird, denn ich bin gerade beim Mixing der Scheibe…
Ich weis es klingt unglaublich, weil das manchmal Artistes machen, für die nichts läuft, aber zur Zeit kann ja niemand sagen, das nix für Tanya läuft. Also denke ich, das ich das mit etwas Glaubwürdigkeit sagen kann: Ich suche nicht dringend nach einem Deal… Ich komme gerade aus einem Deal, der nicht geklappt hat. Für mich ist es wie das Ende einer Ehe, und ich möchte nicht so schnell wieder heiraten. Wenn jemand auftaucht, der mit den richtigen Zutaten aufwartet, die für mich vermuten lassen, das wir eine andere Erfahrung machen werden, dann ja.

G.O.: Also wird das nächste Album wahrscheinlich ein Independent Album werden?
T.S.: Ich mache das Album in Zusammenarbeit mit meinem Partner Andrew Henton, Das was ich im Moment mit Singles mache, denke ich beweist meinen Wert und mein Können, deshalb brauche ich mich nicht zu beeilen, brauche überhaupt nichts zu machen. Und ich bin weit davon entfernt, das mir die Songs ausgehen… Ich schreibe jeden Tag, und was die Leute überrascht, ist das ich offenbar ohne jede Anstrengung schreiben kann. Also muss ich jetzt nicht losstürzen und anfangen zu feilschen und versuchen Kohle zusammenzukratzen, um einen neuen Sportwagen aus Japan zu kaufen. Mir geht's gut.

G.O.: Weil Du es gerade selbst sagst, wie verdienst Du Dein Geld? Hier in Deutschland, verdienen die Artistes ihr Geld meist mit Plattenverkäufen und ich weiss, das es in Jamaica nicht so ist?
T.S.: Shows und einige machen ihr Kohle mit Dubplates, aber damit komme ich nicht klar, weil es mich verbilligt. Ich möchte nicht im Dub Studio versauern. Ich kann nicht sagen, dass ich abhängig von Shows bin, weil ich keinen exclusiven Lifestyle pflege. Ich kann von meinen kleinen Sachen leben. Ich mache Shows und Studioaufnahmen. Wegen des Mangels an Buchführung bei Verkäufen, musst Du definitiv einen Vorschuss für das Voicen verlangen, denn vielleicht ist es im Studio das letzte Mal, dass Du den Produzenten siehst…

G.O.: Hat sich das Verhalten gegenüber weiblichen Artistes verändert?
T.S.: Die meisten der Beschwerden, die Frauen haben, habe ich nicht. Ich sehe mich sogar gar nicht mehr in der Kategorie "Frau", ich bin einfach ein Artiste… Ich finde, das Frauen die Tendenz haben sich zu beschweren, sehr viel Selbstmitleid haben. Anstatt sich Respekt zu verdienen, bekommen sie bloss Mitleid von den Leuten. Anstatt ihre Zeit in Songs und neues Material zu investieren, verbringen sie ihr Zeit damit zu jammern, wie schlecht es ihnen geht. Wenn Du wirklich Talent hast, wird Deine Arbeit für sich selbst sprechen.
Ich lehne es ab, als weiblich kategorisiert zu werden, gerade in dieser Zeit, in der weiblich ein so verdammt stigmatisiertes Wort ist. Die Frauen sind auch noch selbst daran Schuld, weil sie um so viel verdammte Sympathie betteln.

Germaican Observer: Danke Tanya, ich hoffe, dass ich Dich bald wieder hier in Deutschland performen sehen kann.
Tanya Stephens: Keine Ursache, und es könnte bald so weit sein…

Nadine Reid/ G.O. Leipzig

www.tanyastephens4real.com


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Inhalt:
G.O. HOME
INTERVIEW
Tanya Stephens
PICTURE BOOK
SPLASH! 2003
CLASH RUNDOWN CLASH
Supersonic vs. Soundquake
RIDDIM REPORT
Voom Voom

TAPE/CD OF THE MONTH

Supatone
"Bermuda’s Best Y’ Understand?"


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