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Dieses Interview featured die vielleicht
einflussreichsten Person in der Germaican-Geschichte, Dean
Fraser! Der A+ Saxophonist, der Germaican Records Gründer
Pionear in Kingstons Szene einführte, spricht mit Nadine
über Dancehall, die Trennung und Reunion mit Luciano
und über das Business im Business.
Germaican Observer: Warum und wie
kamst Du dazu Saxophon zu spielen?
Dean Fraser: Es ist etwas, dass wir in der Freizeit
abends als Kinder tun mussten, um uns vom Ärger fernzuhalten
Geld spielte da überhaupt keine Rolle, die Zeiten waren
hart, das Leben war hart, und ich musste etwas tun, und das
war, was ich tat.
G.O.: Wie kam es dazu, dass Du ein
Teil der "Sonny Bradshaw Band" wurdest?
D.F.: Mein Lehrer war auch ein Mitglied dieser Gruppe,
und obwohl ich noch nicht dazu bereit war, dachten er und
Mr. Bradshaw, dass ich schnell lernen würde. Und
so war es dann wohl...
G.O.: Wie war es in dieser Band zu
sein, und wie kam es dazu, dass Du Dich entschieden hast solo
weiterzumachen?
D.F.: Alles was man karrieremässig braucht, alles
was ein junger Musiker lernen muss, lernte ich in dieser Band
Es war wie ein grosses Bildungsinstitut für mich. Nachdem
ich 8 Jahre in dieser Band gewesen war, entschied ich, dass
es Zeit war rauszugehen, also verliess ich sichere Bezahlung
und Arbeit, um rauszugehen, und um mich selbst zu behaupten.
Ich war bereit dazu ein wenig zu leiden, also tat ich was
ich tun wollte, ging zu den Studios wie Joe Gibbs und
Channel 1, und stand dort, ungefähr ein Jahr lang,
jeden Tag und hoffte, dass ich eines Tages auf einem Song
spielen würde, und hier bin ich nun...
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G.O.: Man bezeichnet Dich als "aussergewöhnlichen
Saxophonisten". Siehst Du das selbst auch so?
D.F.: Nee, nee... nicht wirklich
seitdem ich
jung war wurde ich so genannt, also ist es nicht mehr etwas,
dass Dich hypen lässt. Als Kompliment ist es schön,
aber so etwas kann Dich auch abheben lassen.
G.O.: Was fühlst Du während
des Spielens?
D.F.: Ich weiss nicht, ich spiele einfach und drücke
mich auf dem Instrument aus. Das ist, was ich tue...
G.O.: Du hast mit fast jedem im Reggae
und Dancehall gespielt...
D.F.: Ich denke ich habe mit jedem gespielt und wenn
sie brandneu sind, denke ich werde ich früher oder später
mit ihnen spielen. Was ich am Busines´mag ist, dass
ich die Möglichkeit gehabt habe mit den meisten zu arbeiten,
mit denen ich arbeiten wollte, und das ist sehr befriedigend.
G.O.: Du hattest aufgehört mit
Luciano zu arbeiten. Jetzt arbeitet ihr wieder zusammen.
Was war passiert?
D.F.: Das war bloss ein kleines Missverständnis
zwischem ihm und anderen Leuten in der Band und ich positionierte
mich dazu, hauptsächlich deshalb, weil ich der Meinung
war, dass er sich in dieser Situation schäbig verhalten
hat, nichts weiter. Es war keine Feindschaft oder ähnliches.
Es war nur etwas vorgefallen, von dem ich dachte, dass er
hätte besser damit umgehen können
Ich tat
das, weil ich nicht mochte, wie er das Business handelte,
verstehst Du. Du musst zuerst das Business beachten, bevor
Du Entscheidungen triffst. Es handelt sich um das Business
"Musik und Karriere". Wenn Du das Business "Musik
und Karriere" so durchziehst, scheint es so, als ob Du
nicht daran interessiert wärst
und wenn Du daran
nicht interessiert bist, denke ich, sollte ich besser nicht
mit Dir arbeiten. Also musste ich mich äussern, um ihm
zu zeigen, dass man bestimmte Situationen so nicht angeht
bzw. nicht mit solchen Situationen umgeht.
G.O.: Was hat sich in den mehr als
20 Jahren, die Du im Business bist, am meisten verändert?
D.F.: Eine Sache, die das Business zum Besseren verändert
hat, ist das Business im Business...
G.O.: Was bedeutet das?
D.F.: Der geschäftliche Teil unserer Musik hat
sich zum Besseren verändert. Wenn ich geschäftlich
sage, meine ich, dass wir heutzutage ein besseres Management
haben, alle machen ein bisschen Papierkram und solch Zeug,
das gut für geschäftliche Aspeke ist.
Der musikalische Aspekt hat sich ein wenig verschlechtert
in der Hinsicht, das es der Musik im wörtlichen Sinne
besser gehen könnte. Ich denke, das ist auch das, was
wir verbessern müssen.
Aber die Verbesserung im Business-Bereich macht es heutzutage
schwer, einen Sänger oder DeeJay zu finden, der auftritt
und danach nichts hat, wie in den alten Zeiten, als die sogenannten
Produzenten früherer Tage, all das Geld von den Sängern
stahlen, und sie als sehr gewöhnliche kleine Nichtse
zurück liessen, weisst Du
Heutzutage werden unsere
Sänger und DeeJays gut bezahlt, und das ist fein.
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G.O.: Fast alle Riddims, die heute
raus kommen sind "computergebaut" und nicht wie
in den alten Zeiten. Was denkst Du darüber?
D.F.: Nun... es hängt davon ab, was der Song und
die betreffende Person braucht. Wir haben ein anderes Zeitalter,
eine andere Ära, du musst Dich lediglich einreihen
alles ist ein Kreis, geht rum und kommt wieder. Heute kannst
Du Live-Musik in den Computer spielen, also ist alles bloss
geradewegs wieder zurückgekommen, es ist also nur eine
Frage des "aktuell" seins.
G.O.: Du hast mit Jazz angefangen,
jetzt machst Du hauptsächlich Reggae. Was sagst Du über
Dancehall Music?
D.F.: Dancehall ist grossartig
Dancehall ist
eine Musik, die wir als Menschen akzeptieren und unterstützen
sollten, denn Dancehall ist die neue Popmusik der Welt. Es
ist die potenteste im Moment, und falls Du es gemerkt hast,
die jungen Leute "verschlingen" Dancehall geradezu,
sogar die Amerikaner switchen gerade zum, wie sie es nennen,
"Jamaica Flava", es ist eine Musik, mit der man
rechnen muss. Das müssen wir erkennen und mit dabei sein.
G.O.: Du kannst ein Kind in Jamaica
sagen hören: "Ich möchte Sänger, oder
DeeJay werden, wenn ich gross bin", aber fast nie wird
der Wunsch geäussert, Saxophonist oder Pianist zu werden.
Denkst Du nicht dass mehr getan werden müsste, wie z.B.
eine musikalische...
D.F.: ... Entschuldige, das ist eine Aussage die immer
wieder im Umlauf, aber durchaus richtig ist. Das müssen
wir wirklich verbessern
das mag angesichts der aktuellen
ökonomischen Situation weit weg klingen, aber was wir
tun können, sollten wir tun.
Wenn man Kindern bestimmte Sachen zeigt, werden sie sie tun
wollen. Du musst ihnen lediglich die Instrumente zeigen, und
die Kinder Interesse daran bekommen lassen sie auch zu spielen.
Sobald wir ein paar solcher Programme aufstellen können
wir unterhalten uns schon seit langem genau darüber,
aber bisher ist noch nichts umgesetzt worden. Sobald wir damit
loslegen können, werden wir zu so etwas in der Lage sein...
G.O.: Kanst Du am Ende des Tages leben,
ich meine komfortabel leben, von dem was Du tust?
D.F.: Ich persönlich möchte nicht besser
leben, als ich es jetzt tue. Solange ich lebe und in der Lage
bin die Sachen zu tun, die ich tun möchte, immer dann
wann ich möchte und das alles
dann bin das ich.
Ich bin nicht wirklich hier um einen Haufen Geld zu haben,
so dass Leute sich vielleicht drüber streiten müssten
und über mich. Daran bin ich nicht wirklich interessiert.
Ich möchte nur meine Arbeit machen und leben!
G.O.: Du wirst bald in Deutschland
touren mit Max Romeo...
D.F.: Darauf freue ich mich, weil ich mit solch einer
Art Programm noch nie getourt bin...
G.O.: Du hast kürzlich ein Album
rausgebracht...
D.F.: Yeah, ich habe letztes Jahr ein kleines Album
rausgebracht, dass "Sax of Life" heisst, um den
Vibe am laufen zu halten. Ich habe mich aber noch nicht hingesetzt
und über das neue Zeug nachgedacht, das ich machen möchte.
Germaican Observer: Vielen Dank Dean
und ich hoffe Dich auftreten zu sehen, wenn Du hier bist.
Dean Fraser: Alright my dear...
Nadine Reid/ G.O. Leipzig/SN.
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