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Es war am 17. Dezember 1994 als Buju Banton's
"Murderer" auf dem "Far East" Riddim aus
Lautsprecherboxen plärrte und somit eine neue Ära
hier in Leipzig einläutete
und das original Far
East Soundsystem macht sich noch einmal bereit, um eine exclusive
10-Jahres-Show am 24.12. 2004 in Leipzigs Distillery zu spielen!
Nadine sprach mit General Ralf, dem Gründer und Selector
von Far East über den Anfang und seine Erwartungen an
diese einmalige Show
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Far East Sound (General Ralf & Lanity) 1997 in Leipzig/Germany
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Germaican Observer: Das Far East
Soundsystem war das erste in Ostdeutschland, wie kamst
du auf die Idee?
Far East: Im Frühling 1993 sah ich David Rodigan
auf einer Show in Wuppertal, und als er auf die Bühne
ging, war ich beeindruckt, weil alles plötzlich austickte,
ich hörte Trillerpfeifen und sah Leute die ihre Feuerzeuge
in der Luft schwenkten. Es wurde ein Song gespielt "
She seh she waan di Penis" und ich war elektrisiert davon,
worüber die Texte erzählten und dachte ich wäre
in einer anderen Welt, es war einfach grossartig...
Dann, 1994 war ich auf der POPKOMM in Köln, und dort
spielte Dreadbeat (Veteran-Sound aus Köln,
Anm. d. Red.). Gerd Gummersbach der Sound-Eigentümer
und ein Typ namens Gentleman waren auf der Bühne.
Gentleman sang und sie spielten immer und immer wieder
den selben Riddim. Ich stand mit dem Rücken zur Bühne,
sah also niemanden und wusste auch nicht, dass das ein Soundsystem
war das da spielte. Ich hörte eben nur immer und immer
wieder den selben Riddim. Nächsten Tag ging ich zu Gerd
Gummersbach' Plattenladen "Music Works" (übrigens
möchte ich hier Gerd Gummersbach ein freundliches
Big Up dafür zurufen, dass er diesen Laden zu der damaligen
Zeit hatte!) und kaufte zwei 12" auf dem Riddim den ich
die ganze Zeit gehört hatte, dem "Sleng Teng".
Als ich zu hause ankam und sie spielte, wusste ich, dass ich
mein eigenes Soundsystem machen wollte!
G.O.: Wie kam es zu dem Namen Far
East?
F.E.: Das war einfach, weil der Far East Riddim zu
dieser Zeit sehr populär war. Buju hatte einen
Hit namens "Murderer" darauf, und es gab Cocoa
Teas "Tune In". Es waren einige der wenigen
Platten die ich damals überhaupt hatte. Kurz vor Weihnachten
ging ich wieder einmal zu "Music Works" und er hatte
den originalen Far East auf dem Studio One Label, was
damals eine Rarität war. Zurück in Leipzig dachte
ich: wir leben im vormaligen Ostdeutschland und der Name Far
East Soundsystem ist sehr kraftvoll...
G.O.: Gab es, als Du damals gespielt
hast, einen Plan, und hattest Du vor etwas damit zu erreichen
ein Soundsystem zu haben?
F.E.: Bei meinen ersten 3 Shows als DJ spielte ich
jeweils jede einzelne Platte die ich besass. Ich brauchte
mir gar keine Gedanken darüber machen was ich spielen
sollte, denn ich hatte ja überhaupt nur Platten für
1 1/2 bis 2 Stunden. Ich musste andere Sachen als Auffüllung
spielen, aber ich wollte definitiv zum Dancehall. Mein Plan
war es in Zukunft eine komplette Dancehall Nacht zu machen!
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Flyer Far East Sound 1995 (Leipzig/Germany)
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G.O.: Pionear (damals noch unter dem
Pseudonym Lanity) und Du wart das Far East Soundsystem.
Erzähl mir über diese Zusammenarbeit.
F.E.: Pionear war zu dieser Zeit bereits der
Mainmann für Reggae in Leipzig und das erste mal als
ich mit dem Sound spielte kam er zu mir, ich kannte ihn zu
dieser Zeit noch nicht und fühlte mich geehrt, denn er
war in einer populären Band und ich war ein kleiner DJ
den keiner kannte. Ich war stolz, dass er daran interessiert
war was ich machte und daran zusammen mit mir zu spielen...
Ich realisierte, dass er ein Herz für die Musik hatte
die auch ich liebte, und... eine der Shows an die ich mich
am besten erinnere, ist eine in Halle (S.) 1995 als ich Merciless'
"Mavis" spielte, drehte er die Lautstärke weg
und schrie "romantic" ins Microphone, so wie es
eben Merciless machen würde... ich wusste, dass wir musikalisch
das gleiche wollten. Das wichtigste am Spielen mit Pionear
aber war die Freundschaft die sich zwischen uns entwickelte.
G.O.: Wie war es das erste Mal für
Dich, als Du in Jamaica warst und Soundsystems performen sahst?
F.E.: Wow, es war so als ob man endlich nach hause
kommt! Davor lebte ich 1995 für etwa 7 Monate in Manchester
und immer Freitags ging ich in den "West Indian Sporst
and Social Club", wo eine Menge Sounds spielten und ich
einfach ausrastete. Ich mochte den Humor, den die Soundsystemszene
damals hatte... Der erste Sound den ich in Jamaica sah war
Stone Love. Wie gesagt es war eine Art Heimkommen...
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Far East Sound (General Ralf & Lanity) 1997 in Leipzig/Germany
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G.O.: Das Far East Soundsystem
spielte mit Gentleman auf seiner ersten Show hier in
Leipzig damals Mitte der 90er, wie war das, und siehst Du
Unterschiede zu der Person Gentleman von heute?
F.E.: Er kam 1995 nach Leipzig, um eine Show mit Silly
Walks zu machen, MCte dann sogar für uns, obwohl
er mit Silly Walks gebucht war... Wir hatten einfach
die Energie... Die Show die er 1997 machte, war zusammen mit
Messer Banzani und die erste mit der Band (die ja von
Pionear als Fortführung des Far East Sounds
gegründet und unter dem Namen Far East Band mittlerweile
recht bekannt sein sollte...). Es war sehr beeindruckend,
voller Energie und Liebe. Ich denke er hat sich nicht verändert...
G.O.: Denkst Du dass die Unterschiede
zwischen der Musik damals und heute sehr gross sind?
F.E.: Ich würde sagen nicht so sehr gross. Als
ich anfing, begann man in Jamaica alte Studio One Samples
zu benutzen, das war der grösste Unterschied zur Musik
Ende der 80er/Anfang der 90er... Ich denke, dass die Riddims
über die Jahre natürlich härter geworden sind,
aber das ist ja immer so. Also nein, da gibt's keinen grossen
Unterschied.
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Die 1. DJ-Konsole, auf der das Far East Soundsystem
am 17.12.1994 spielte
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G.O.: Die Dancehall-Szene damals und
heute, was sind die Unterschiede?
F.E.: Als wir angefangen haben gab es ein anderes Publikum
das angezogen wurde. Als wir unsere Parties starteten, kamen
die Leute von überall her... Es gab Rockmusikfans, Punks
und sogar Techno DJs kamen zu uns, weil sie wussten, dass
es ein guter Vibe war, damals machten wir eigentlich Crossoververanstaltungen.
Es gab eine Menge Spass.
Wenn ich die Dances heute sehe, sehe ich Leute die speziell
wegen der Musik kommen, sie sind tiefer drin in der Musik
und sie kennen sich besser aus, was damals nicht der Fall
war. Vielleicht können sie die Musik mehr schätzen...
Damals ging es einfach um den Spass und darum von dem was
passierte animiert zu werden... deshalb war Pionears
Rolle auch so wichtig, denn er ist einmalig darin zu motivieren.
Kein anderer MC den ich ausserhalb von Jamaica getroffen habe,
ist so in der Lage, Leute die noch nie vorher etwas von der
Kultur gehört haben, dazu zu bringen ihre Feuerzeuge
in der Luft zu schwenken. Ich habe gesehen, wie jeder im Publikum
die Sachen tat, die er machte, er konnte sie bewegen und berühren.
G.O.: Gab es jemanden, der Dich inspiriert
hat, ein Vorbild?
F.E.: Ich erinnere mich daran, dass Pionear
mir ein Tape von Metromedia gab und ich dachte, wow,
was für eine Energie, was für ein Geschrei... also
begann ich zu spielen wie Metromedia spielte und Pionear
schrie dazu rum wie Sky Juice...
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Far East Sound (General Ralf & Lanity) 1997 in Leipzig/Germany
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G.O.: Welcher ist heutzutage Dein
Lieblingssound?
F.E.: Wenn es um die Energie geht, Sound Quake,
wenn es um die Liebe zur Musik geht Supersonic.
G.O.: Du wirst am Heiligabend in Leipzig
spielen, wie fühlst Du Dich, wissend 4 Jahre nicht mehr
gespielt zu haben?
F.E.: Ich freue mich wirklich riesig auf diesen Abend,
darauf mit Pionear rumzubrüllen, meine Hand zum
Gunsalut in die Luft zu halten, auf der Bühne durchzudrehen,
sehr schnell zu selecten (damals habe ich gerne mal die 45s
im 20sec. Rhythmus gewechselt) und die tobenden Leute. Worauf
ich mich aber am meisten freue, ist mit meinem alten Kumpel
Pionear zu spielen, deshalb komme ich zu Weihnachten.
G.O.: Was denkst Du, der aus Westdeutschland
stammt und so lange im Osten gewohnt hat, über die Stadt?
F.E.: Das bleiben die besten Jahre meines Lebens und
ich freue mich darauf irgend wann wieder im (Fernen) Osten
zu leben!
Germaican Observer: Vielen Dank für
das Interview und bis zum 24.12. 2004 zur nächsten Far
East Party!
Far East: Vielen Dank an Dich und bis Weihnachten!
Text: Nadine Reid/ G.O. Leipzig/SN.
Photos & Flyer: Maja Franke
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